Köln | Die Schafe im Wolfspelz
und ihr "Anti-Islamisierungskongreß"

veröffentlicht am: 25.09.2008
Verfasser: frei

 


Köln, 19.-20.09.2008. Eines hat die selbsternannte "Bürgerbewegung Pro Köln" mit ihrem stümperhaft abgehaltenen "Anti-Islamisierungskongreß" in Köln erreicht: Viel mehr Aufmerksamkeit, als sie verdient hätte. Aber vielleicht auch mehr, als ihr lieb sein dürfte. Denn wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Die vermeintliche "Führungsriege" derer, die da zeitweise hilflos auf dem Rhein herumdümpelten: Ein paar abgehalfterte Möchtegernpolitiker aus bürgerlich-reaktionären Kreisen, die man nicht ernsthaft als national bezeichnen kann. Von tiefergehenden weltanschaulichen Ansprüchen ganz zu schweigen.

In den etablierten Medien heißt es, sie würden sich ein demokratisches Mäntelchen umhängen, obwohl sie eigentlich ganz hartgesottene Rassisten und Nazis seien. Der Wolf im Schafspelz? Nee, weit gefehlt. Eher das Schaf im Wolfspelz, denn es verhält sich geradewegs andersherum: Die Pro-Funktionäre hängen sich mit ihren Anti-Islam-Sprüchen ganz bewußt ein "auch-nationales" Mäntelchen um, in der Hoffnung, erfolgreich die politische Nische zwischen rechtslastigen CDU-Kreisen und der Nationalen Opposition besetzen zu können. Nicht zu etabliert, aber bitte auch nicht zu "extrem". Ganz nach dem Motto: Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht naß. So distanzieren sich die Pro-Funktionäre medienwirksam vom bösen "Rechtsextremismus", von der NPD-Konkurrenz und erst recht von Neonazis. Das hilft ihnen selber zwar gar nichts, weil sie trotzdem in die rechtsextreme Ecke gestellt werden, aber dafür hilft es uns, ihre Heuchelei zu entlarven.

Der Versuch, die "besseren, geläuterten Rechten" sein zu wollen, ist nicht neu und kann auch für die Pro-Funktionäre über kurz oder lang nur in die Hose gehen. Sie buhlen vergeblich um demokratische Anerkennung, die sie nie bekommen werden, auch wenn sie sich noch so krampfhaft und lautstark zur demokratischen Grundordnung bekennen. Gleichzeitig haben sie sich genau so lautstark von der Nationalen Opposition abgegrenzt. Sollten wir bei der Gelegenheit einfach mal festhalten, um spätere mögliche Wendehalsmanöver und Anbiederungsversuche bestimmter Pro-Funktionäre zu verhindern.

Der "Anti-Islamisierungskongreß" am vorletzten Septemberwochenende 2008 in Köln sollte wohl ein plakatives Zeichen setzen zugunsten der "Bürgerbewegung", die kaum Bürger bewegt. Es wurde jedoch ein organisatorisches Debakel. Der unendliche Dilettantismus der Pro-Funktionäre, den jeder hautnah über das Fernsehen live miterleben konnte, läßt sich weder auf das Verhalten der Polizei noch auf die Aktivitäten der Gegendemonstranten abwälzen. Widrige Umstände und Willkür können immer eintreten, aber in diesem Fall war die "Stärke" ihrer Gegner hauptsächlich auf die eigene Schwäche und Naivität zurückzuführen. Eine genaue Analyse des öffentlichen Unterganges der Moby-Dick-Besatzung wäre sicher amüsant, ist jedoch verzichtbar, weil es für uns keine Rolle spielt, ob die Pro-Funktionäre wenigstens organisatorisch aus diesem Debakel lernen werden oder nicht.

Inhaltlich ist den Vertretern dieser Nischensekte ohnehin nicht mehr zu helfen. Zu widersprüchlich stehen ihre vorgeblichen Forderungen ihren eigenen Ansichten gegenüber. Wer Moscheebau und Überfremdung wirklich ernsthaft stoppen und Ausländer in ihre Heimatländer rückführen will, der kann nicht gleichsam gegen "Rechtsextremismus" hetzen und sich zum herrschenden System bekennen. Es ist bezeichnend und entlarvend, daß die politische Aussagefähigkeit der Pro-Heuchler sich weitgehend darauf begrenzt, die gut kalkulierte Anti-Islam-Propaganda der etablierten Systemparteien, vornehmlich der dafür vorgesehenen CDU, zu kopieren. Dieser Abklatsch verdient grundsätzlich keine Unterstützung. Weder im nächsten Jahr noch überhaupt.

"Pro-Kölns" oberflächlicher Pauschal-Populismus gegen den Islam setzt ein völlig falsches Signal, über das sich höchstens Pro-israelische Kreise freuen dürfen. Wer politisch weiterdenkt, als die Nischenpopulisten von Pro Köln, der differenziert ganz klar zwischen dem von den Systemparteien auf Geheiß der USA geschürten "Anti-Islamismus" und dem notwendigen Kampf gegen die Überfremdungspolitik, deren Urheber ebenfalls die etablierten Systemparteien sind. Der Islam ist nicht die Ursache der Überfremdung, sondern lediglich ein besonders gut sichtbares Symptom. Politisch bekämpft werden müssen jedoch die Ursachen der Überfremdung, die Mechanismen und Verantwortlichen der jahrzehntelangen Überfremdungspolitik. Das Problem ist das System, nicht die Moscheen.

Als entschlossene Gegner der westlich-plutokratischen Oneworldpolitik betrachten wir den Islam global gesehen als Verbündeten gegen die mammonistische Vormachtstellung der amerikanischen Ostküste. Die Freiheit der Völker wird nicht durch den Islam bedroht, sondern durch den Imperialismus der USA und ihrer Vasallen von Jerusalem bis Berlin. Eine solche Klarheit und Ganzheitlichkeit in der politischen Ausrichtung ist jedoch von Sektenführern, die sich nicht zu blöde sind, sich selbst als "Rechtspopulisten" zu bezeichnen, nicht zu erwarten. Mehr als Populisten sind sie eben nicht.